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Presseerklärung vom 01.08.2018:

Linke/Liste Solidarität: Opel/PSA reduziert Ausbildung - alles völlig harmlos?

Opel/PSA kündigt für das neue Ausbildungsjahr 2018/19 an, in Rüsselsheim nur noch „knapp 80“ Ausbildungsstellen zur Verfügung zu stellen. Gegenüber dem Vorjahr mit 174 Stellen also weniger als die Hälfte.

Damit wird Opel nicht nur die moderate gewerkschaftliche Forderung einer Ausbildungsquote von sieben Prozent, sondern auch den Durchschnittswert von fünf Prozent deutlich verfehlen, stellt die Linke/Liste Solidarität fest.

Glaubt man allerdings den Aussagen von Frau Graumann, Sprecherin der Agentur für Arbeit (Bezirk Bad Homburg, zu dem Rüsselsheim gehört), ist das völlig ohne Belang. Denn es gäbe doch im Kreis Groß-Gerau „viele unbesetzte Lehrstellen“ und daher seien „die jungen Leute längst nicht mehr nur auf die Firma Opel angewiesen“.

Dass in ihrem Arbeitsamtsbezirk im Juni, also zwei bis drei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahres 1.468 nicht besetzten Stellen allerdings 1.948 nicht versorgte Bewerberinnen und Bewerber gegenüberstanden und damit eine gegenüber 2017 nochmal verschlechterte Relation wird dabei verschwiegen.

Und dass nach dem Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres im September 2017 noch 726 gemeldete „junge Leute“ ohne Ausbildungsvertrag dastanden, wird ebenfalls ignoriert.

Dazu kommen noch diejenigen Ausbildungsinteressierten, die sich bei der Arbeitsagentur in 2017 erfolglos für eine Ausbildungsstelle beworben hatten, dies aber zum 30.9. für das neue Ausbildungsjahr nicht wieder erneuert haben. Bundesweit sind dies neben 80.000 als „erfolglos suchend“ in der Statistik geführten weitere 200.000 junge Menschen. Zum kleineren Teil wahrscheinlich Abiturienten, die ein Studium aufgenommen haben, aber auch in „Warteschleifen“-Maßnahmen Untergebrachte oder eben viele, die die Suche nach einem Ausbildungsplatz ganz aufgegeben haben. Und damit diejenigen sein werden, die die Zahl der „jungen Erwachsenen“ (20 – 34 Jahre alt) ohne Ausbildung - als „nfQ“s also "nicht formal Qualifizierte" in der Statistik geführt - weiter steigen lassen. Die betrug 2016 bereits 2,13 Millionen (=14,3 % der Altersgruppe) und damit 180.000 mehr als 2015. Und das Ganze nach ca. acht Jahren Wirtschaftswachstum!

Angesichts dieser Tatsachen sind die Äußerungen der Vertreterin der Arbeitsagentur genauso fatal und verantwortungslos wie die massive Verringerung der Ausbildungsplätze durch Opel/PSA. Vom grundgesetzlich geforderten Gebrauch des Eigentums „zum Wohle der Allgemeinheit“ kann hier keine Rede sein. Der sollte den Unternehmen deshalb gemäß dem alten gewerkschaftlichen Motto „Wer nicht ausbildet, soll zahlen“ durch eine gesetzliche Ausbildungsumlage, wie es sie in vielen anderen Ländern und im deutschen Baugewerbe tariflich vereinbart gibt, näher gebracht werden. Und Opel/PSA sollte der Forderung der Jugend- und Auszubildendenvertretung nach Beibehaltung der Zahl der Ausbildungsstellen schleunigst nachkommen.

 

 

   
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